16.08.2023 – Kategorie: Digitale Gesundheitslösungen

Digitaler Wandel im Gesundheitswesen: Kein Sprint, sondern ein Marathon

Die strategische und koordinierte Umsetzung der Digitalisierung ist essenziell, um ein integratives und nachhaltiges Gesundheitssystem zu schaffen.

Spätestens die vergangenen drei Jahre haben erneut deutlich gemacht, wie bedeutend das Gesundheitssystem für unsere Gesellschaft ist. Krankenhäuser generieren und verarbeiten tagtäglich eine enorme Menge an Daten, die kritische gesundheitliche Informationen enthalten. Das Navigieren in diesem Meer aus Daten und Regularien kann sich zu einem rechtlichen Dschungel entwickeln, der ohne Branchenexperten nahezu unüberwindbar scheint. Eine Frage, die immer wieder auftaucht, lautet: „Wie lassen sich Systeme im Gesundheitswesen up-to-date und sicher halten?“

Die Antwort darauf ist komplex, aber ein Schlüsselaspekt dabei ist das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG). Es wurde im Jahr 2020 eingeführt, um die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen voranzutreiben. Dr. Joachim Schmitz, der seit Jahren große internationale Institutionen in IT- und Sicherheitsangelegenheiten berät, sieht im KHZG ein zentrales Instrument für diese Herausforderung. Laut Schmitz bildet das KHZG die notwendige Basis, um Krankenhäuser dabei zu unterstützen, ihre Systeme auf den neuesten Stand der Technik zu bringen und sie gleichzeitig sicher zu halten. Der erste Schritt in diesem Prozess besteht darin, die Auswirkungen und Implikationen des KHZG auf die IT-Strategie der Krankenhäuser zu verstehen.

Die Bedeutung des Krankenhauszukunftsgesetzes

Das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) stellt eine zentrale Stellschraube für die digitale Transformation des Gesundheitswesens dar. Es ermöglicht eine Investition von 4,3 Milliarden Euro, um die digitale Infrastruktur und die Datensicherheit in deutschen Krankenhäusern zu verbessern. Von elektronischen Patientenakten bis hin zur Telemedizin und künstlicher Intelligenz in der Diagnostik – die Möglichkeiten, die sich aus diesem Gesetz ergeben, sind vielfältig und haben das Potenzial, die Gesundheitsversorgung grundlegend zu verändern.

Unter Berücksichtigung des KHZG sollten Krankenhäuser daher eine klare und gut durchdachte IT-Strategie entwickeln. Diese Strategie sollte sowohl aktuelle als auch zukünftige Herausforderungen berücksichtigen und darauf abzielen, die Patientenversorgung durch den Einsatz von Technologie zu verbessern. Dazu gehört auch, dass man sich mit neuen Technologien auseinandersetzt, die Chancen und Risiken richtig einschätzt und Maßnahmen ergreift, um Cyber-Risiken zu minimieren. Das Gesetz bietet hierfür sowohl finanzielle Unterstützung als auch gesetzliche Rahmenbedingungen. Es stellt somit eine einmalige Chance für Krankenhäuser dar, die digitale Transformation aktiv zu gestalten: Dadurch wird sowohl die Patientenversorgung als auch die Effizienz interner Prozesse erheblich verbessert.

Einfluss der Technologie auf die Arbeitsweise im Gesundheitswesen

Mit fortschreitender Technologie hat sich die Arbeitsweise im Gesundheitswesen erheblich verändert. Die Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten für die Diagnose, Behandlung und Betreuung von Patienten. Technologiebasierte Ansätze, wie Telemedizin und künstliche Intelligenz, ermöglichen es, Gesundheitsdienstleistungen effizienter und effektiver zu gestalten. 

Die Telemedizin etwa ermöglicht es Ärzten und Pflegepersonal, Patienten aus der Ferne zu betreuen. Sie ermöglicht so den Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen für Patienten, die aufgrund geografischer, körperlicher oder zeitlicher Einschränkungen Schwierigkeiten haben, persönlich in einer Gesundheitseinrichtung zu erscheinen. Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen hingegen haben das Potenzial, die Genauigkeit von Diagnosen zu verbessern, personalisierte Behandlungspläne zu erstellen und administrative Aufgaben zu automatisieren. Dadurch haben Ärzte und Pflegepersonal mehr Zeit für den direkten Patientenkontakt.

Es ist wichtig zu betonen, dass diese technologischen Fortschritte nicht darauf abzielen, menschliche Arbeitskräfte zu ersetzen, sondern vielmehr darauf, sie zu ergänzen und zu unterstützen. Durch die Automatisierung routinemäßiger und administrativer Aufgaben können medizinische Fachkräfte sich auf die Bereiche konzentrieren, in denen sie am meisten gebraucht werden, wie die direkte Patientenversorgung. So können sie ihre Fähigkeiten und Erfahrungen optimal einsetzen und gleichzeitig die Patientenversorgung verbessern. Der Schlüssel zum Erfolg dieser Transformation liegt in der richtigen Balance zwischen menschlicher Expertise und technologischer Unterstützung.

Herausforderungen und Bedenken bezüglich der Technologie im Gesundheitswesen

Trotz der Vorteile, die die Integration von Technologie in das Gesundheitswesen mit sich bringt, gibt es auch erhebliche Herausforderungen und Bedenken. Datenschutz und Datensicherheit sind besonders relevant, da sensible Gesundheitsinformationen oft online gespeichert und übertragen werden. Cyberangriffe und Datenpannen können ernsthafte Auswirkungen haben, sowohl auf die Gesundheit der Patienten als auch auf das Vertrauen in das Gesundheitssystem. 

Darüber hinaus kann die Implementierung neuer Technologien teuer sein, was insbesondere für ressourcenarme Einrichtungen ein Problem darstellen kann. Außerdem kann es Schwierigkeiten bei der Akzeptanz und Anpassung durch medizinisches Personal geben, die möglicherweise nicht mit den neuen Technologien vertraut sind und geschult werden müssen. Es ist auch wichtig zu beachten, dass die Verfügbarkeit und der Zugang zu Technologie ungleich verteilt sein können. Das führt dann zu Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung.

Daher muss das Gesundheitswesen diese Herausforderungen aktiv angehen, um das volle Potenzial der Technologie ausschöpfen zu können. Dies kann durch angemessene Regulierung, Investitionen in IT-Infrastrukturen und -Sicherheit, kontinuierliche Schulungen für medizinisches Personal und Initiativen zur Verbesserung des Zugangs zu Technologien erreicht werden.

Auswirkungen von COVID-19 auf das Gesundheitswesen und die Rolle der Technologie

Die COVID-19-Pandemie hat das Gesundheitswesen weltweit vor nie dagewesene Herausforderungen gestellt, und Technologie hat dabei eine entscheidende Rolle gespielt. Erstens ermöglichte die Technologie das schnelle Sequenzieren und Teilen des genetischen Codes des Virus, was für die Entwicklung von Impfstoffen und Behandlungen von entscheidender Bedeutung war.

Telemedizin, die schon vor der Pandemie an Bedeutung gewann, hat einen unerwarteten Aufschwung erlebt, da Patienten und Anbieter auf Ferngesundheitsdienste umgestellt haben, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Dies hat das Gesundheitssystem enorm entlastet und gleichzeitig die kontinuierliche Versorgung der Patienten gewährleistet.

Gleichzeitig hat die Digitalisierung der Gesundheitsdaten die Datenerhebung und -überwachung zur Verfolgung der Pandemie und zur Steuerung der Reaktion erleichtert. Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen haben dazu beigetragen, Muster in den Daten zu erkennen, Vorhersagen zu treffen und wirksame Strategien zur Eindämmung der Krankheit zu entwickeln.

Die Pandemie hat jedoch auch die oben genannten Herausforderungen und Bedenken hervorgehoben und die Dringlichkeit ihrer Lösung unterstrichen. Die digitale Kluft hat sich verschärft, insbesondere in Bezug auf den Zugang zur Telemedizin. Die zunehmende Abhängigkeit von Technologie hat die Risiken in Bezug auf Datenschutz und Cybersicherheit erhöht. Insgesamt hat COVID-19 die entscheidende Rolle der Technologie im Gesundheitswesen hervorgehoben und die Notwendigkeit einer nachhaltigen Integration dieser Technologien in unser Gesundheitssystem unterstrichen.

Schlussfolgerung und Ausblick

Die strategische und koordinierte Umsetzung der Digitalisierung ist essenziell, um ein integratives und nachhaltiges Gesundheitssystem zu schaffen. Das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) stellt dabei einen wesentlichen Baustein dar. Es fördert durch finanzielle Anreize und Abschläge die digitale Transformation der Gesundheitsversorgung. Abschließend bleibt festzuhalten, dass trotz der bisherigen Fortschritte, der Weg zur vollständigen Digitalisierung des Gesundheitswesens noch lang ist. Zukünftig werden noch mehr strategische Koordination und Zusammenarbeit erforderlich sein, um die vielfältigen Herausforderungen zu meistern.

Dr. Joachim Schmitz

Kurzvita Dr. Joachim Schmitz:

Dr. Joachim Schmitz berät Firmen in Thema Informations-Sicherheit und Prozessen. Er berät außerdem bei ISO-Zertifizierungen und ist Mitglied im Bundesverband Deutscher Sachverständiger und Fachgutachter sowie im Deutschen ISACA Chapter


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