19.12.2023 – Kategorie: Health – IT

Universitätsmedizin Mainz: So werden IT-Systeme effektiver und sicherer

Quelle: Foto: Peter Pulkowski

Bevor das deutsche Gesundheitswesen weiter digitalisiert werden kann, muss als Basis dafür die derzeitige Legacy-Infrastruktur zuerst einer grundlegenden Modernisierung unterzogen werden.

Markus Koerner, Präsident von Kyndryl Deutschland, erklärt, was damit einhergeht, und demonstriert anhand der Universitätsmedizin Mainz, wie ein erfolgreiches Modernisierungsprojekt umgesetzt werden kann.

Sowohl die IT-Systeme als auch die operativen Prozesse im deutschen Gesundheitswesen müssen (ausfall-) sicherer und effizienter werden. Mit dem Krankenhauszukunftsgesetz, dem Fond zur Förderung und Verbesserung digitaler Infrastrukturen von Gesundheitseinrichtungen sowie dem Branchenspezifischen Sicherheitsstandard für die Gesundheitsversorgung im Krankenhaus (B3S) hat die Bundesregierung bereits wichtige Schritte in die richtige Richtung unternommen.

Zudem zielt die in diesem Jahr vorgestellte Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen und die Pflege darauf ab, die Technologie, Datennutzung und Versorgungsprozesse bis 2030 zu verbessern, die Telematikinfrastruktur weiterzuentwickeln und die digitale Transformation in diesem Sektor voranzutreiben.

Universitätsmedizin Mainz, Foto: Peter Pulkowski

E-Health tritt auf der Stelle, wenn die Grundlage fehlt

Obwohl die Bundesregierung mit der Einführung der elektronischen Gesundheitsakte (eGA) bereits erste punktuelle Erfolge verbuchen konnte, gibt es im deutschen Healthcare-Sektor noch Einiges zu tun – vor allem im Vergleich zu anderen Ländern. Denn jede Innovation benötigt eine moderne, sichere und skalierfähige IT-Infrastruktur. Aktuell sieht sich die Bundesregierung jedoch einer flächendeckend, weitestgehend veralteten und zerklüfteten IT-Landschaft gegenüber – ein großes Unterfangen für jeden Staat.

Deshalb müssen sowohl der nachhaltige Aufbau einer modernen, sicheren und an den Bedürfnissen der Patienten und Ärzte ausgerichteten IT als auch die Modernisierung der zugrundeliegenden Infrastruktur konsequent vorangetrieben werden.

Infrastrukturelle Mangelerscheinungen schränken Digitalisierung ein

Wir als IT-Dienstleister treffen bei unseren Neukunden oft auf IT-Infrastrukturen, die nicht nur wartungsintensiv und wenig standardisiert, sondern aufgrund der steigenden Komplexität und des Personalmangels nicht mehr zukunftssicher zu betreiben sind. Hier hat sich ein komplexer IT-Flickenteppich gebildet, der Prozesse enorm erschwert und das Ausfallrisiko erhöht – besonders, wenn die zahlreichen verschiedenen Kommunikations-, Management- oder IoT-Systeme nicht miteinander vernetzt sind.

Dieser Umstand führt zwangsläufig dazu, dass das medizinische Fachpersonal kaum in der Lage ist, effizient zu arbeiten. So verwendet es viel mehr Zeit darauf, wichtige Dokumente zu erstellen, zu suchen, zu bearbeiten und – in der Regel mit Verzögerung – an weitere behandelnde Einrichtungen zu senden. Dieser bürokratische Mehraufwand hat kritische Folgen: Mitarbeiter sind überlastet und die Qualität der Patientenversorgung sinkt.

All diese Schwachstellen sind Einfalltore für Cyber-Kriminelle. Sie nutzen sie, um personenbezogene Patienten- und sensible Gesundheitsdaten abzugreifen. Durch sogenannte Denial-of-Service-Angriffe, die aktuell eine wahre Renaissance erleben, oder Ransomware blockieren sie kritische Infrastruktur und bringen beispielsweise Krankenhäuser in eine bedrohliche Situation. Zu allem Übel entwickeln Akteure ihre Methoden kontinuierlich weiter, was die Bedrohungslage noch weiter verschärft.

IT-Modernisierung fängt auf Infrastrukturebene an

Kurzfristige Einzelaktionen wie der Zukauf von Hardware sind allerdings keine substanziellen Lösungen für diese Probleme. Vielmehr ist eine umfassende Transformation notwendig. Der Healthcare-Sektor in Deutschland braucht eine Weiterentwicklung der Telematikinfrastruktur hin zu einer modernen Gesundheitsplattform, die Prozesse digitalisiert und modernisiert, anstatt sie lediglich zu elektrifizieren.

Da sich sowohl die IT-Landschaft als auch der Reifegrad der Modernisierung von Unternehmen zu Unternehmen unterscheiden, gibt es keine allumfassende One-size-fits-all-Lösung. Vielmehr bedarf es einer ganzheitlichen Modernisierungsstrategie. Diese umfasst die Bestimmung des Reifegrades sowie der IT- und Nutzeranforderungen, die Wahl der passenden Hybrid- bzw. Multi-Cloud-Umgebung, die Migration der ausgewählten Workloads und – zu guter Letzt – die Implementierung moderner digitaler Lösungen.

Im Alleingang gelingt die Modernisierung maroder IT-Systeme und instabiler Netzwerke allerdings nur schwer – es gehören viel Erfahrung und Know-how dazu. Kommt es zu Fehlern, droht das Projekt um mehrere Schritte zurückzufallen, was Zeit, Geld und Nerven kostet. Stattdessen arbeiten Unternehmen häufig mit Managed Service Providern zusammen, die die fehlenden Kompetenzen ausgleichen und Modernisierungsprozesse strukturiert, sicher und zuverlässig durchführen. Ein solches Projekt haben wir für die Universitätsmedizin Mainz umgesetzt.

Universitätsmedizin Mainz: Ein Beispiel für erfolgreiche IT-Modernisierung

Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist der einzige Supramaximalversorger in Rheinland-Pfalz und zählt somit zu den Betreibern kritischer Infrastrukturen. Sie umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen und behandelt jährlich mehr als 320.000 Menschen stationär und ambulant. Zudem gilt sie mit 8.700 Mitarbeitern als einer der größten Arbeitgeber in der Region.

Aufgrund ihrer langen Geschichte und Größe hat sich im Laufe der Jahre allmählich eine entsprechend komplexe IT-Infrastruktur aufgebaut, die in vielerlei Hinsicht nicht mehr den heutigen – und auch den zukünftigen – Anforderungen entsprach. Sowohl technologisch als auch prozessual bestand die Notwendigkeit zum Aufbau eines modernen IT-Betriebs. Darüber hinaus stand ein großflächiger Umbau des Campus bevor.

Der Vorstand erkannte den Handlungsbedarf und entschied sich für eine umfassende IT-Modernisierung, für die unter anderem auch die Fördermittel des Krankenhauszukunftsgesetzes genutzt werden sollten. Als eine der strategischen Weichenstellungen entschied sich die Universitätsmedizin Mainz mit externen Partnern zusammen zu arbeiten, um Expertise und Best Practices zu nutzen.

Die Entscheidung fiel auf Kyndryl: Das Unternehmen überzeugte unter anderem durch einen IT-Healthcheck, bei dem Kyndryl-Experten den Reifegrad der IT-Infrastruktur der Universitätsmedizin Mainz begutachtet und bewertet haben. Daraus leitete der Managed Service Provider eine Modernisierungs-Roadmap und Handlungsempfehlungen ab, die er im Anschluss auch für die Universitätsmedizin Mainz im Rahmen des IPSUM-Projekts (IT Infrastruktur-, Prozess- und Service-Optimierung der Universitätsmedizin Mainz) umsetzte. Das Projekt erfolgt in drei Phasen: Bestandsaufnahme, Aufbau und Migration der neuen Infrastruktur sowie Prozess- und Service-Aufbau.

Neben der abgeschlossenen Bestandsaufnahme hat Kyndryl  dabei geholfen, das Rechenzentrum der Universitätsmedizin Mainz an einen neuen Standort außerhalb des Campus zu verlegen. In nur wenigen Wochen und bei laufendem Betrieb hat der Managed Service Provider die Live-Migration von fast 500 virtuellen und 70 physischen Systemen bei minimaler Downtime erfolgreich durchgeführt.

Fazit

Die IT-Infrastruktur des Gesundheitswesens in Deutschland muss dringend modernisiert werden, damit Krankenhäuser, die Praxen niedergelassener Ärzte sowie Pflegeeinrichtungen nachhaltig von effizienteren Versorgungsabläufen profitieren können. Dadurch sinkt der bürokratische Aufwand, was die Mitarbeiter entlastet und ihnen mehr Zeit für eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung einräumt. Dadurch steigt die Zufriedenheit sowohl auf Seiten des medizinischen Personals als auch der Patienten. Gleichzeitig sinken die Betriebs- und Wartungskosten merklich.

Das Beispiel der Universitätsmedizin Mainz zeigt, dass sich die Zusammenarbeit mit einem Managed Service Provider lohnt, da dieser nicht nur die Erstellung eines Modernisierungskonzepts übernimmt, sondern auch langfristig bei dem Aufbau, der Migration und dem Betrieb der neuen Infrastruktur unterstützt.

Der Autor: Markus Koerner ist Präsident von Kyndryl Deutschland

Lesen Sie auch: IT-Sicherheit: Der französische Weg


Teilen Sie die Meldung „Universitätsmedizin Mainz: So werden IT-Systeme effektiver und sicherer“ mit Ihren Kontakten:


Scroll to Top